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04.03.2019 - 11:55 Uhr

Ein Stück Sicherheit

Landkreis und Stadt Aurich unterzeichneten Kooperationsvertrag mit Europahaus Aurich.

Sie unterzeichneten gestern den neuen Europahaus-Vertrag (von links): Aurichs Erster Stadtrat Hardwig Kuiper, Bürgermeister Heinz-Wemer Windhorst, Vereinsvorsitzender Walter Theuerkauf, Leiterin Heike-Maria Pilk und Landrat Harm-Uwe Weber. Foto: Recke

Es war Ende der 1980er-Jahre, als Hardwig Kuiper als Student mehrfach im Auricher Europahaus, der ehemaligen Deutsch-Niederländischen Heimvolkshochschule, übernachtete. Er habe eine enge Beziehung zu den Niederlanden, sei nur 1000 Meter von der Grenze entfernt aufgewachsen, in Groningen in die Disko gegangen, sagte Aurichs Erster Stadtrat am
Freitag.


Anlass für diese Erinnerungen war die Unterzeichnung eines Kooperationsvertrages zwischen dem Trägerverein des
Europahauses, dem Landkreis und der Stadt Aurich. Kernpunkt des zweiseitigen Papiers ist ein jährlicher Zuschuss von 70 000
Euro. Der Landkreis gibt 50 000 Euro, die Stadt 20 000. Die Beträge erhöhen sich jährlich um zwei Prozent. Der Vertrag läuft
acht Jahre.

Vorausgegangen waren wochenlange Diskussionen in den Gremien von Kreis und Stadt. Auch über die Höhe der Zuschüsse wurde zeitweise gefeilscht, bis zuletzt am Donnerstagabend im Stadtrat. Am Ende gaben Kreistag und Rat aber grünes Licht.
„Wir sind heilfroh und dankbar“, sagte der Vorsitzende des Trägervereins und ehemalige Landrat Walter Theuerkauf.

Auch wenn die Summe angesichts des Gesamtbudgets von 1,3 Millionen Euro klein erscheine, sei sie sehr bedeutend – und sichere letztlich die Existenz des Hauses.
Theuerkauf erinnerte daran, dass die Nazis die einst guten Beziehungen zu den Niederlanden innerhalb kurzer Zeit zerstörten und dass es einiger Anstrengungen bedurfte, die Freundschaft nach dem Krieg zu erneuern – zum Beispiel durch das Europahaus. Er betonte, dass kein großer Träger hinter der Einrichtung steht, sondern eine Bürgerinitiative, der heutige Verein.

Daher habe man nicht den finanziellen Hintergrund wie Großorganisationen. Im Laufe der Jahre wuchsen die Finanzprobleme.
Daraufhin habe man etwa die Mitarbeiter nicht mehr nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst bezahlen können. Auch Investitionen waren aus eigener Kraft nicht mehr möglich. Der Verein drohte stetig in die roten Zahlen zu rutschen. Das sei durch den neuen Zuschuss nun abgewendet, so Theuerkauf.
Stadt und Landkreis werden künftig jeweils mit zwei Vertretern im wohl neunköpfigen Vorstand des Trägervereins vertreten sein. Das sei kein Problem, so Theuerkauf. Im Gegenteil: Man verspreche sich, dass sich Kreis und Stadt künftig auch inhaltlich stärker in die Arbeit des Europahauses einbringen.
Grundsätzlich komme der Kooperationsvertrag genau zum richtigen Zeitpunkt, so Theuerkauf. „Wir erleben derzeit, dass Demokratie kein Selbstläufer ist“, so der ehemalige SPD-Politiker mit Hinweis auf wachsende Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz in ganz Europa.


Landrat Harm-Uwe Weber (SPD) erinnerte daran, dass das Europahaus früher in der Kreispolitik durchaus kritisch gesehen wurde – auch mit Blick auf eine mögliche Konkurrenz zu den beiden Kreisvolkshochschulen (KHVS). Mittlerweile habe sich die Sichtweise geändert. Nun gehe man von „Synergieeffekten“ zwischen Europahaus und KVHS aus. Zwischenzeitlich habe es sogar Überlegungen gegeben, das Europahaus komplett in die Kreisstruktur zu integrieren. Das hätte sich jedoch aus mehreren Gründen schwierig gestaltet. Nun sei er „froh, dass wir das hinbekommen haben“, sagte Weber – und dankte dem Kreistag für das breite Votum. Viele Menschen wüssten heute nicht mehr, was Europa bedeutet. „Da kann einem angst und bange werden.“
Umso wichtiger sei die Arbeit des Hauses, so der Landrat.


Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst sagte: „Von hier sind viele Impulse ausgegangen.“ Er erinnerte an die Städtepartnerschaft Aurichs mit Appingedam. Es sei der Einrichtung nicht würdig gewesen, dass diese jährlich bei Stadt und Kreis um Unterstützung bitten musste. Das habe die inhaltliche Arbeit behindert. „Ich bin froh, dass wir jetzt eine Konstante reingebracht haben. Das gibt ein Stück Sicherheit“, so der Bürgermeister.


Europahaus-Leiterin Heike-Maria Pilk freute sich über „mehr Stabilität“ in der Planung. Der Vertrag habe Symbolkraft. Für die nächsten Jahre hat sie viele Ideen. So wolle man die Partnerschaft mit Appingedam vertiefen, die ländliche Entwicklung in den Fokus stellen, aber auch die schulkindliche Bildung. Den größten Teil der Arbeit mache weiter die politische Erwachsenenbildung aus, so Pilk. Sie sprach am Rande der Vertragsunterzeichnung schon von weiteren
renovierungsbedürftigen Teilen des Hauses – und sogar möglichen Anbauten. Die nächsten Bitten um Zuschüsse sind also absehbar.

Von Aiko Recke

 

Ostfriesische Nachrichten, Samstag, 2. März 2019, Seite 3


 

 



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