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24.04.2014 - 11:49 Uhr

Positive Akzente für gesunde Perspektiven

Internationales Jugendtreffen im Auricher Europahaus beschäftigte sich in diesem Jahr mit dem Thema Gesundheit. Rund 50 Jugendliche und Betreuer aus fünf Ländern trafen sich über die Osterferien in Ostfriesland.

Mit guten Beispiel vorangegangen: Während der Workshops studierten die Jugendlichen unter anderem diverse Zirkusdarbietungen ein. wj

Aurich. Laut einer gerade veröffentlichten Statistik ist die Zahl der Drogentoten in Deutschland zuletzt wieder angestiegen. Insofern war es eine brandaktuelle Problematik, mit der sich das Auricher Europahaus bei seinem traditionellen internationalen Jugendtreffen über die Osterferien beschäftigt hat. „Psychische und physische Gesundheit als wichtige Werte in Europa“ hieß nämlich das Thema, um das es in diesem Jahr ging. Rund 50 Betreuer und Jugendliche im Alter zwischen 16 und 24 Jahren aus England, Spanien, Finnland, Polen und Deutschland haben sich in Gesprächen, Workshops und öffentlichen Aktionen dabei auch intensiv mit dem Drogenmissbrauch innerhalb ihrer Generation auseinandergesetzt und dabei einige ebenso erstaunliche wie erschreckende grenzübergreifende Parallelen festgestellt .

„In Polen an Alkohol oder Zigaretten heranzukommen ist selbst für Minderjährige ziemlich leicht“, erzählt Daniel Grabowski. Ausweise würden, wenn überhaupt, nur halbherzig kontrolliert. Ähnlich sieht es in Finnland aus, obwohl Hochprozentiges dort extrem teuer ist. „Das ist vielen Jugendlichen egal, die kaufen sich das Zeug trotzdem“, wie Helena Huttu zu berichten weiß. Und das hierzulande beliebte „Vorglühen“ ist keineswegs ein ausschließlich deutsches Phänomen. „Auch in England fangen Jugendliche oft schon zuhause an zu trinken, bevor sie in eine Diskothek oder auf eine Party gehen“, sagt Sophie Reid. „Das nennt sich bei uns 'Pre-Party'.“

Und warum nehmen junge Menschen Drogen? Ein auslösender Faktor ist Perspektivlosigkeit. „In Spanien herrscht ein hohe Arbeitslosigkeit, von der Jugendliche besonders stark betroffen sind“, meint Daniel Jiménez Lacoma. „Deswegen reagieren viele frustriert, und sie haben einfach jede Menge Zeit, die sie irgendwie totschlagen müssen.“ Sinnvolle Alternativen wie zum Beispiel Sport treiben kann sich nicht jeder leisten. „Ein Freund von mir macht Karate, der muss für zwei Trainingsstunden 90 Euro zahlen“, erläutert Daniel weiter. „Es ist fast egal, welchen Sport man macht, meistens kostet es Geld. Da greifen manche eben lieber zur Flasche Bier, weil das billiger für sie ist.“ Mehr soziale Gerechtigkeit und ein besserer Einstieg ins Berufsleben wäre deswegen nach Ansicht von Daniel ein effektiver Weg, Drogenmissbrauch einen Riegel vorzuschieben .

Analog dazu appellieren die Jugendlichen an die Adresse von Politik und Gesellschaft, sportliche Aktivitäten in und außerhalb der Schule stärker zu fördern und günstig bzw. bestenfalls sogar kostenlos anzubieten. Die Teilnehmer des Treffens im Europahaus sind mit guten Beispiel voran gegangen. Sie haben in einem ihrer Workshops Zirkusdarbietungen für eine öffentliche Aufführung eingeübt. Weitere Schwerpunkte waren unter anderem Video, Medien und Musik. Aus der bunt zusammen gewürfelten internationalen Mischung ergab sich manches interessantes „Crossover“-Projekt.

Die Finnin Helena Huttu betätigte sich auf Anleitung von Daniel Jiménez Lacoma als Sängerin eines spanischen Textes. Hauptverständigungssprache während des Treffens war allerdings, wie häufig bei solchen Anlässen, beinahe erwartungsgemäß Englisch, wenngleich Mareke Hauschild aus Leer inzwischen auch ein paar Sätze Finnisch auf dem Kasten hat. „Das tolle an solchen Treffen ist ja, dass man mit anderen Menschen zusammen kommt und immer wieder voneinander lernen kann“, sagt die Leeranerin .

Lernen kann man vielleicht auch von Dingen, die in einigen Ländern innerhalb der Europäischen Gemeinschaft offensichtlich besser organisiert sind als anderswo. Warum gesundes und nahrhaftes Schulessen für Schüler und deren Eltern Geld kosten muss, ist für Helena Huttu beispielsweise kaum nachvollziehbar. „Das ist bei uns umsonst, und ich finde das auch gut so“, betont die Finnin.

Dem kann ihre Landsfrau Pirjo Niskanen nur voll beipflichten. „Es gibt immer weniger Jugendliche in Europa“, resümiert die Studienleiterin des Auricher Europahauses. „Vor dem Hintergrund dringlicher gesellschaftlicher Erfordernisse, die vor allem von der jungen Generation zu schultern sind, ist es wichtig, dass sie fit und gesund bleiben. Dafür muss man dann aber auch entsprechende Akzente setzen. Und ich glaube, das ist uns bei unserem Treffens hier in Aurich ganz gut gelungen.“wj

 

Emderzeitung/Heimatblatt Aurich vom Mittwoch, 23. April 2014, Seite 8


 

 



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