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06.10.2014 - 09:19 Uhr

Viel Unmut zum Thema Enercon

Podiumsdiskussion im Europahaus Aurich zeigte, dass es noch Gesprächsbedarf gibt / Es gab auch Fürsprecher

Aurich. Es ging heiß her, bei der Podiumsdiskussion um den Wirtschaftsstandort Aurich am Mittwochabend im Europahaus. Ein Thema stand dabei ganz klar im Vordergrund: Windkraftanlagenhersteller Enercon und der in der Kritik stehende Umgang mit dem Betriebsrat (die ON berichteten). Rund 135 Leute kamen zu der Veranstaltung, bei der eines klar wurde: Es schwebt nach wie vor eine Menge Unmut in der Luft. Aber auch die positiven Aspekte und was es für Aurich bedeutet, ein Unternehmen wie Enercon am Ort zu haben, wurden hervorgehoben.

An der Diskussion beteiligten sich Thomas Kersten (Enercon Betriebsrat Service West), Alexander Ludwig (Enercon Betriebsrat WEC Turmbau Emden), Johann Saathoff (SPD, Mitglied des Bundestages), Prof. Carsten Müller (Hochschule Emden-Leer), Stephan Schmidt (ON-Chefredakteur), Heiko Schmelzle (CDU, Mitglied des Bundestages) und nicht zuletzt zahlreiche Zuschauer aus dem Publikum. Beenhard Oldigs, Leiter des Europahauses, moderierte die Veranstaltung.

„Früher war Aurich ein Armenhaus, heute ist es ein Technologiestandort. Das Unternehmen wächst stetig und hat mittlerweile rund 13  000 Mitarbeiter“, sagte Schmelzle. Dieses positive Image, dass dieses Unternehmen Aurich gebe, solle durch die Diskussion über Betriebsräte keine Kratzer bekommen.

Man bekam den Eindruck, als sei es dafür schon zu spät, wenn man die Worte von Alexander Ludwig hörte. „Ich bin seit 13 Jahren in dem Betrieb. Je größer die Firma wurde, desto mehr hat sich für uns Arbeitnehmer geändert. Das Wirtschaftliche steht im Vordergrund und das Menschliche fällt hinten runter“, sagte er. Für die normalen Angestellten, also zum Beispiel Elektriker und andere Handwerker, sei das Betriebsverfassungsgesetz wie böhmische Dörfer. Um richtig handeln zu können, brauche man Schulungen, die einen über die Inhalte, Rechte und Pflichten von Betriebsräten aufklären. Das gebe es bei Enercon nicht. „Der Betriebsrat und die Geschäftsführer müssen auf einer Augenhöhe sein“, sagte Alexander Ludwig.

Auch Johann Saathoff war der Meinung, dass man das Thema nicht totschweigen dürfe. „Die wenigsten kennen den Inhalt des Gesetzes. Letztendlich sind es aber die Mitarbeiter, die für den Erfolg eines Unternehmens verantwortlich sind. Ich höre immer nur: ,Ein Betriebsrat kostet, wegen der Schulungen‘. Die Frage ist aber doch viel mehr: Wie kann sich ein Betrieb keinen Betriebsrat leisten?“ Letztendlich zeige auch die Erfahrung, dass Unternehmen mit gewerkschaftlichen Betriebsräten besser aus der letzten Krise gekommen seien.

Enercon ist in aller Munde und sollte sich dessen bewusst sein

Eines wurde deutlich, bei der Veranstaltung am Mittwochabend und angesichts der Tatsache, wie emotional einige Anwesende bei der Thematik rund um das Unternehmen wurden: Enercon ist in aller Munde und sollte sich dessen bewusst sein.

Diesen Aspekt griff auch Stephan Schmidt auf: „Enercon muss realisieren, wie wichtig das Unternehmen für Aurich ist. Es ist für unsere Region nicht irgendeine Firma. Ich würde mir daher einen offeneren Umgang mit den Medien wünschen. Bislang wurde sich oft nur geäußert, wenn es um Firmeninteressen ging“, so Schmidt. Von der wissenschaftlichen Seite näherte sich Carsten Müller der Thematik: „Geht es um Arbeit und Kapital, gibt es immer Konflikte. Es ist die Aufgabe der Betriebsräte damit umzugehen und zu vermitteln.“ Das sei genauso wenig diskutabel wie die Tatsache, dass man nicht über eine rote Ampel fahren dürfe, sagte Michael Hehemann von der IG-Metall Emden, der sich aus dem Publikum meldete. Natürlich dürfe Enercon dabei keinen Schaden nehmen. „Es gibt doch genug Konzerne, die einen Betriebsrat haben, ohne einen Schaden dadurch zu haben“, sagte er.

Viele Anwesende am Mittwochabend hatten schon schlechte Erfahrungen gemacht, sei es durch Leiharbeit, schlechte Zukunftsperspektiven oder mangelnde Fortbildung im Betrieb. Abschließend stellte Oldigs die Frage, was sich die Beteiligten der Diskussion wünschen würden von Enercon und für die Unternehmenskultur. „Sie sollten die regionalen Stärken nutzen und sich verantwortlich fühlen“, sagte Müller. „Differenzierteres Denken, Positionierung bei den Kollegen und Zivilcourage den Mitarbeitern gegenüber“, sagte Saathoff. „Mehr Offenheit der Führung. Es gab Missverständnisse, die aus dem Weg geräumt werden müssen“, sagte Schmelzle. „Die Arbeitnehmer müssen leben und sollten ihre Zukunft planbarer gestalten können“, sagte Kersten. „Die Beschäftigten müssen mehr Rückhalt finden“, sagte Ludwig.

„Um einen Dialog herbeizuführen, würde ich mir wünschen, dass bei der nächsten Veranstaltung ein Vertreter der Enercon-Geschäftsführung mit dabei ist“, sagte Oldigs nach der Veranstaltung den ON.


 

 



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