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17.08.2018 - 11:31 Uhr

Appell für mehr Mitgefühl

Russische und deutsche Jugendliche gestalteten Gedenkfeier an Kriegsgräberstätte in Tannenhausen

Zum Ausklang der Gedenkfeier sangen alle Beteiligten ein russisches Lied. Foto: Vortanz

Ausgabe 'ON-Gesamt', 10.08.2018, Seite 6

Von Helmut Vortanz

Aurich. Toleranz und Mitgefühl statt Gehorsam und Härte: Das waren die Kernaussagen von 17 Jugendlichen des Deutsch-
Russischen Seminars 2018 – und zugleich ein Appell an die Menschen und die politisch Verantwortlichen zum friedlichen
Umgang miteinander. Vorgetragen wurden die Ergebnisse der Zusammenkunft bei einer Gedenkfeier an der russischen
Kriegsgräberstätte in Tannenhausen von den Jugendlichen selbst.
Bereits seit neun Jahren kommt die Deutschlehrerin Elena Mitiusheva mit zehn Schülern der Schule 14 in Archangelsk, einer Stadt
in Nordrussland und zugleich Partnerstadt von Emden, im Sommer nach Deutschland und Frankreich. Die jungen Leute
engagieren sich gemeinsam mit deutschen Jugendlichen in der Friedensarbeit, pflegen Kriegsgräber und setzen sich mit dem
Thema Erinnerungskultur auseinander.
„Die Nachfrage der Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren für die anstrengende Reise über rund 3600 Kilometer und den
sechswöchigen Aufenthalt während der Ferien übersteigt jedes Jahr bei weitem die Zahl der angebotenen Plätze“, sagte die
Deutschlehrerin im Gespräch mit den ON.
In diesem Jahr wurde für das zweitägige Seminar im Europahaus das Thema „Gesichter erzählen Geschichten“ gewählt. Mit
Johanne Siebolds-Harms und Carl Osterwald standen den Teilnehmern zwei Zeitzeugen aus der Nähe der Kriegsgefangenenlager
in der Region zur Verfügung. Sie schilderten eindringlich ihre Erlebnisse aus den Jahren 1942 bis 1945, als sowjetische
Kriegsgefangene in Tannenhausen in Baracken untergebracht waren.
Die übrige Zeit verbrachten die Jugendlichen mit der Pflege der Kriegsgräber auf dem Auricher Friedhof und der Vorbereitung der
Gedenkfeier. Diese wurde in Anwesenheit geladener Gäste, zu denen auch Johanne Siebolds-Harms gehörte, durch Marco
Wingert, den Bildungsreferenten des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge Weser-Ems eröffnet.
Zwei Schüler, Dariia Pozhinskaia und Nikita Sagoskin, trugen das Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ in deutscher
Sprache vor und die übrigen Seminarteilnehmer präsentierten die Ergebnisse ihrer Arbeitsgruppen. Mahnende Sätze, wie „Wir
sollen alles dafür tun, damit der Schreck des Krieges sich nie wiederholt“ oder „Nicht nur eine Person, sondern mehrere Menschen
sind am Krieg schuldig“ wurden unter dem Thema „Die Blume des Vergessens“ in deutscher und russischer Sprache präsentiert.
Zur Erinnerung werden an der Kriegsgräberstätte viele junge Vergissmeinnicht gepflanzt. Die Schüler verbringen noch einige Tage
bei ihren Gastfamilien in Ihlow und Emden, bevor sie die strapaziöse Heimreise in Angriff nehmen.


 

 



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