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18.06.2018 - 08:55 Uhr

A Brexit Crash Course

Einen Vortrag zum Brexit anhören? Und im Vorfeld noch etwas zu Globalisierung und Vorteile des Freihandels im Unterricht behandeln? - Sicher, der Verweis auf Abiturthemen, Curriculum und mögliche Prüfungen zieht immer irgendwie, und so, zu 75% „überzeugt“, machten wir uns an die Arbeit im VWL bili-Kurs: die Vorbereitung des Vortrags von Jack O’Hare, der zurzeit im Europahaus eine Art Soziales Jahr ableistet und aus eigener Erfahrung als britische Staatsbürger über das Thema „A Brexit Crash Course“ referieren und im Anschluss mit uns diskutieren wollte.

Nachdem der „Fahrplan“ festgelegt wurde, beschäftigten wir uns ein paar Stunden mit der Geschichte und Bedeutung der EU, dem Nutzen des Außenhandels für die teilnehmenden Länder und möglichen Kritikpunkten, Ängsten und Vorbehalten, die Bürger und Unternehmen der betroffenen Länder einer Mitgliedschaft in der EU entgegensetzen könnten. Natürlich untersuchten wir auch die Sonderrolle, die Großbritannien immer beanspruchte und die Frage, warum das womöglich nicht ausreichte, um die Umfrage zum Brexit nicht anders ausgehen zu lassen. …Und hier stellten wir fest, dass wir doch nach all der Lektüre und den Gesprächen im Unterricht noch immer viele - womöglich sogar noch mehr als vorher - Fragen hatten.
Wie gut, dass wir diese im Vorfeld an Jack schicken konnten. Darunter waren u.a. Fragen nach dem persönlichen Erleben und den unmittelbaren Eindrücken vor, während und nach der Abstimmung, aber auch nach möglichen Gründen verschiedenster Bevölkerungsgruppen, den Erwartungen an die Umsetzung des Brexits und die Folgen für die einzelnen Bürger, aber auch für die gesamte Volkswirtschaft, die Auswirkungen auf die Zahl der Arbeitslosen, den Wert des Britischen Pfunds, das Preisniveau und die Erwartungen, die die Briten nun an ihre Regierung und die Wirtschaft haben. Auch Veränderungen der Einstellungen und Wertvorstellungen der Bürger, z.B. das Verhältnis gegenüber Einwanderern waren für uns interessant. Darüber aus erster Hand, d.h. aus eigenem Erleben von einem jungen Mann aus Liverpool zu hören, das war schon etwas Besonderes.
Jack O’Hare hat unsere Erwartungen nicht enttäuscht. Nicht viel älter als die Kursteilnehmer selbst berichtete er aus der Perspektive eines jungen Mannes, der auch gegen das Ergebnis der Abstimmung ist, weil er weiß, dass die Folgen nicht die Generation 60+ besonders hart treffen werden, sondern die Generation der heutigen Jugendlichen, die Pläne wie Reisen, Freizügigkeit in Bezug auf Praktika und Erfahrungen sammeln im Ausland, Studium in anderen europäischen Ländern und vieles mehr hatten bzw. noch haben und nun fürchten, dass die Welt für sie viel kleiner und komplizierter wird als für ihre Vorgänger.
Er erklärte aber auch die Auswirkungen des Brexits für die irische Insel und die möglichen Optionen „soft border“ versus „hard border“ für die irische Bevölkerung auf beiden Seiten der Grenze und schaffte es, anschaulich und spannend zu berichten, ohne dass es zu anstrengend wurde seinen englischen Ausführungen zu folgen. Sicherlich war es hilfreich, dass er alles mit einem Schuss Humor würzte und nie „von oben herab“ zu uns sprach.
Wir erfuhren etwas über die Vorgehensweise und Wertvorstellungen von Populisten, aber auch über die Entwicklung des Außenhandels des Vereinigten Königreichs, die wichtigsten Handelspartner bis jetzt und mögliche Entwicklungen in der Zukunft. Meistens hatte er Beispiele und auch Zahlen zur Unterstützung der Argumentation zur Hand, aber nie war es langatmig und trocken.
Jack sprach über wichtige Unternehmen, die voraussichtlich ihren Firmensitz aus Großbritannien wegverlegen werden oder es schon getan haben, analysierte die aktuellen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, sprach über die verschiedenen Arten von „refugees“ und die Einstellung der britischen Bevölkerung ihnen gegenüber, kurz, er beantwortete alle unsere vorab gestellten Fragen; kurzweilig und auf eine authentische Art und Weise, die es uns ermöglichte, ihm fast zwei Stunden lang zu folgen, obwohl die äußeren Umstände, d.h. die Raumtemperaturen, nicht mit uns waren und auch das Englische für den Einen oder Anderen sicherlich eine Herausforderung. An der abschließenden Diskussion nahmen nicht mehr alle Zuhörer aktiv teil, trotzdem wurden dort von einigen Schülern spannende Fragen gestellt, die zeigten, dass das Interesse der Anwesenden noch nicht erschöpft war.
Jacks Vortrag endete mit der dringenden Aufforderung an uns, uns nicht auf Nachrichten der Medien zu verlassen, sondern selbst Recherchen anzustellen, zu allem, was die Nachrichten bieten, und uns selbst ein Bild zu machen, um nicht Meinungsmachern und Populisten auf den Leim zu gehen.
Er selbst hat übrigens vor, in Deutschland zu bleiben und wahrscheinlich in Berlin ein Studium aufzunehmen. Vielleicht wird er dann Lehrer? Wir jedenfalls konnten viel von ihm lernen und waren durchaus vom Vortrag und der Persönlichkeit des 21jährigen beeindruckt.

Astrid Schmidt für den Kurs VWL bili, 12 Jahrgang

Kommentare von Teilnehmern des Kurses VWL bili:
Julia:
Er hat sehr selbstbewusst und verständlich gesprochen und der Vortrag war interessant. Ich konnte ihm gut folgen.
Pauline:
Er hat Humor und sein Vortrag war spannend.
Saskia:
Er wirkte sehr reif für seine 21 Jahre.
Lisa:
Seine sympathische Art hat den Vortrag sehr aufgelockert.
Kisean:
Eine lockere Atmosphäre war vorhanden. Jack besaß eine gute Mimik und Gestik, die zum Zuhören angeregt hat.
Joel:
…es war sehr informativ und lustig dargestellt.
Sofia:
Man konnte sich aufgrund seines Alters besser mit ihm identifizieren …
Pascal, Tim, Rieke:
It was a pleasure having you with us. We thoroughly enjoyed your presentation, the discussions and learned a lot about the Brexit. We certainly weren’t expecting how complex the situation between Ireland and Northern Ireland is when it comes to borders and how big of a role Ireland plays within the Brexit in general. Additionally we were intrigued by the irony behind the news reports

 

 

Alle Bilder von Gunter Schmidt info@gspix.de


 

 



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