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07.03.2018 - 10:57 Uhr

Über Stutenbissigkeit und andere politische Hürden

Von Marion Luppen Debatte Drei Abgeordnete aus Aurich, Emden und Hesel sprachen im Europahaus über die Rolle von Frauen in der Politik Gila Altmann (Grüne), Hillgriet Eilers (FDP) und Gitta Connemann (CDU) lieben ihren Beruf. Er hat aber auch Schattenseiten. Aurich - Ohne Parteipolitik, dennoch hochpolitisch: So ist am Montagabend im Europahaus in Aurich eine Gesprächsrunde mit drei prominenten ostfriesischen Politikerinnen verlaufen. 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts gewährten die Abgeordneten Gitta Connemann (CDU, Hesel), Hillgriet Eilers (FDP, Emden) und Gila Altmann (Grüne, Aurich) Einblick in ihr Leben als Politikerin. Johanne Modder (Bunde), SPD-Fraktionschefin im Landtag, hatte krankheitsbedingt abgesagt.

Bilder: Ortgies

Die Veranstaltung war als Teil der Auricher Frauen wochen vom Serviceclub Soroptimist Ostfriesland-Norden organisiert worden. Gut 40 Interessierte – fast ausschließlich Frauen – waren gekommen, lauschten zweieinhalb Stunden lang gebannt und diskutierten mit. Die drei Politikerinnen machten deutlich, gegen welche Widerstände sie kämpfen mussten und müssen – auch von anderen Frauen. „Ich habe die größte Unterstützung, aber auch den erbittertsten Widerstand durch Frauen erfahren“, sagte Connemann. Frauen neigten dazu, an andere Frauen höhere Maßstäbe anzulegen als an Männer. Auch sie selber sei nicht frei von Neid und Konkurrenzdenken gegenüber dem eigenen Geschlecht, gab die 53-Jährige zu. „Am Ende waren es aber auch die Frauen, die mich getragen haben.“ Altmann meint, dass Männer anders ticken als Frauen. In der Grünen-Bundestagsfraktion sei es den männlichen Kollegen dank ihrer Seilschaften immer gelungen, die Schlüsselpositionen zu besetzen. „Ich glaube, das steckt in den Genen. Männer sind Jäger und Sammler, Frauen vereinzeln sich.“ Stutenbissigkeit habe damit zu tun, dass Frauen sich und anderen Frauen zu wenig trauten. „Frauen bekämpfen sich gnadenloser als Männer.“ Für diese Äußerung bekam die 68-Jährige scharfe Kritik aus dem Publikum. „Ich platze gleich“, sagte eine Zuhörerin. So gelinge es nie, junge Frauen für Politik zu begeistern. Eilers hielt dem entgegen, dass Politik durchaus Spaß mache. „Sonst würden wir sie nicht mit so viel Leidenschaft betreiben.“ Durchsetzungsfähigkeit gehöre aber dazu. Connemann sagte, gerade wegen ihrer Durchsetzungsfähigkeit gelte sie als „unbequem und zickig“ – ein Attribut, das durchsetzungsstarken Männern nie zugeschrieben werde. Auch sie brach dennoch eine Lanze für ihren Beruf: „Ich würde diesen Weg immer wieder gehen.“ In die Politik zu gehen sei „der einzige Weg, dafür Sorge zu tragen, dass nicht andere über einen entscheiden“. Ihr Beruf gebe ihr „die Möglichkeit zu Begegnungen, die ich sonst nie hätte“. Sie könne Menschen helfen und Dinge verändern. Bei aller pauschalen Politikerschelte erfahre sie für ihr Engagement viel persönliches Vertrauen. Man müsse sich aber darüber im Klaren sein, so Connemann, dass man als Politikerin eine öffentliche Person sei. „Um es in aller Deutlichkeit zu sagen: Wenn Sie das nicht ertragen, dann können Sie es nicht machen.“ Connemann verkündete dem Publikum eine weitere „brutale Wahrheit“, wie sie es nannte: „Politik ist nicht immer unterhaltsam und nicht immer spaßig.“ Da müsse man sich auch schon mal mit der Frage befassen, wie Abwässer abgeleitet werden. „Das ist nicht sexy, aber wichtig für die Menschen.“ Altmann ärgerte sich zunächst über die Frage von Moderatorin Heike-Maria Pilk, wie sie ihre politische Karriere mit dem Familien leben vereinbart habe. „Komischerweise wird diese Frage immer nur Frauen gestellt“, sagte die Grünen-Politikerin, die verheiratet ist und drei Kinder hat. Dann antwortete sie aber doch: Ihr Mann sei Feminist. „Er hat sein Schicksal angenommen.“ Ihre Kinder seien stolz auf sie. Den meisten Stress habe sie sich immer selbst gemacht. „Ich dachte: Du gehst jetzt die Welt retten, und deine Kinder sitzen zu Hause.“
Dieses Problem habe aber jede berufstätige Mutter.


 

 



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