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18.04.2016 - 12:31 Uhr

Jugendliche setzen sich für Flüchtlinge ein

Junge Menschen aus Europa waren zehn Tage im Europahaus in Aurich zu Gast.   Von GERD-ARNOLD UBBEN

Warben in der Auricher Fußgängerzone mit Musik, Kunst, Tanz und Mitmachaktionen für mehr Humanität: die Teilnehmer der europäischen Jugendbegegnung. Bild: Ubben

Aurich. „Jeder Mensch sollte eine Heimat haben, wo es sicher ist. Deshalb sollte auch mein Heimatland Polen Flüchtlinge aufnehmen“, sagt Gabriela Marat, die sich jetzt zusammen mit 40 Jugendlichen aus England, Polen, Finnland, Spanien und Deutschland im Europahaus in Aurich zehn Tage lang mit dem Thema „Humanität versus Egoismus - Flüchtlinge in Europa“ auseinandergesetzt hat. „Die Europäische Union ist mehr als Politik und Geld. Wir sind Menschen, die mitgenommen werden sollten, mehr Humanität ist einfach erforderlich“, meinte Jack O´Hare, der Angst vor einem aus seiner Sicht negativen Referendum im Juni zum Verbleib Großbritanniens in der EU hat. Die Flüchtlingskrise, so O´Hare, sei eine der größten Krisen in Europa, wobei die Staaten nicht genug tun würden.

Als europäisches Netzwerk wollten die Jugendlichen ein Zeichen setzen und den Grundwerten Europas wieder mehr Gehör verschaffen. Denn es sei offensichtlich, so die Studienleiterin dieser internationalen Jugendbegegnung, Pirjo Niskanen, dass die der EU zur Verfügung stehenden Instrumente zur gemeinsamen Entscheidungsfindung keine ausreichende Wirkung hätten, die Probleme gleichermaßen effizient und human zu lösen. Nationale Egoismen, vermeintliche oder auch objektive innenpolitische Notwendigkeiten und finanzielle Befürchtungen würden einen immer größeren Einfluss gewinnen, während gemeinsame Ziele und Prinzipien ins Wanken gerieten.

Niskanen aus Finnland hatte als 16-Jährige ihre erste Jugendbegegnung in Finnland, die sie inspirierte. Danach machte sie in Aurich im Europahaus ein Jahr einen Freiwilligendienst, kehrte dann in ihr Heimatland zurück, studierte dort Sozial- und Erziehungswissenschaft. Nach dem Studium bekam sie 2012 vom Europahaus Aurich das Angebot, als Studienleiterin für internationale Jugendbegegnungen zu arbeiten, seitdem ist sie nun in Aurich.

„Wir wollen für die Belange der Flüchtlinge sensibilisieren und über deren Situation informieren sowie dem Europäischen Grundsatz 'Einheit in Vielfalt' neue Geltung verschaffen, um Egoismen auf allen Ebenen entgegenzuwirken. Die Menschenrechte sind unantastbar - auch für Flüchtlinge“, sagte Niskanen und wies daraufhin, dass im Europahaus versucht werde, jungen Menschen zu zeigen, dass Fremde nicht zwangsläufig als unbequem oder gar als Bedrohung erlebt werden müssen, sondern auch bereichernd und herausfordernd erlebt werden können.

Die Mädchen und Jungen thematisierten während ihres Aufenthalts im Plenum oder in Kleingruppen und Workshops verschiedene Fragen und erarbeiteten schließlich eine Vielzahl an Slogans wie: „Wir alle teilen den Himmel”, „Menschen sollten Menschen helfen”, „Offene Grenzen, offene Herzen”, „Achtet auf die Flüchtlinge mit neuen Augen”, „Jeder verdient es zu leben”. Diese taten sie am Samstagvormittag in der Auricher Fußgängerzone mit Musik, Kunst, Tanz, Performance und Mitmachaktionen der Öffentlichkeit kund. Das Interesse der Auricher an den Aktionen der Jugendlichen war groß.

Mit der Gewissheit, bestehende Probleme thematisiert und auf sie hingewiesen zu haben, flogen die Jugendlichen, wohl wissend, letztlich nur einen ganz kleinen Teil geschafft zu haben, durchaus zufrieden in ihre Heimatländer zurück.

Das Europahaus führt seit vielen Jahren verschiedene internationale Jugendbegegnungen durch und koordiniert in diesem Zusammenhang verschiedene, teilweise länger als zwölf Jahre existierende internationale Netzwerke von Jugendorganisationen.

Heimatblatt Aurich vom Mittwoch, 30. März 2016, Seite 4


 

 



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