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03.08.2017 - 09:38 Uhr

Jugendliche erinnerten an Kriegsopfer

Jugendliche erinnerten an Kriegsopfer Von Wilfried Frerichs   Projektarbeit mit Deutschen und Russen ging Mittwoch mit Feier in Tannenhausen zu Ende   Aurich. Das Lied „Meinst du die Russen wollen Krieg“ sang gestern die 23-jährige Dariaa Pozhinskaia auf der Kriegsgräberstätte in Tannenhausen. Die junge Frau aus Russland nahm zusammen mit weiteren Jugendlichen an einem zweitägigen Projekt in Aurich teil (siehe auch Seite 1). Auf dem sogenannten Russenfriedhof in Tannenhausen fand zum Abschluss eine Feier statt, bei der die Jugendlichen auch über ihre Projektarbeit berichteten.

Marco Wingert (links) vom Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge begrüßte rund 40 Gäste auf dem Russenfriedhof in Tannenhausen.Fotos: Banik

Diese Ringe bekam Johanne Harms von Kriegsgefangenen geschenkt.

Johanne Harms (links) und Elena Mitiusheva bei der Feier in Tannenhausen.

Dieses und die drei weiteren Fotos: Edda Smidt / Europahaus

Aurichs Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst, der die Jugendlichen aus Deutschland und Russland am Dienstag im Rathaus empfing, hielt eine Rede auf dem Russenfriedhof. Der Bürgermeister lobte das kontinuierliche Engagement, das seit Jahren an den Tag gelegt werde, um an die Opfer der Weltkriege zu erinnern. Viele Projekt würden im Laufe der Jahre infrage gestellt, das sei hier nicht der Fall. Junge Menschen würden heute durch die Medien Tag für Tag mit Kriegen in anderen Ländern konfrontiert. Die Projektarbeit der teilnehmenden Jugendlichen sei aktueller denn je. „Nehmt viel von dieser Arbeit mit und haltet Verbindung zur Thematik“, gab Windhorst den Teilnehmern mit auf den Weg.

In Tannenhausen gab es mehrere Lager mit Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern, wie Heinz Kleemann vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge sagte. Die Menschen mussten zu Fuß nach Dietrichsfeld laufen, oder wurden mit dem Zug dorthin gebracht, um dort im Munitionsdepot zu arbeiten. Die heute 87-jährige Johanne Harms hat einige russische Kriegsgefangene kennengelernt und ist die einzige noch lebende Zeitzeugin. Ihr Vater war damals Lokführer. Johanne Harms unterhielt sich heimlich mit den Gefangenen und steckte ihnen Brot, Steckrüben oder auch Kartoffelschale zu. „Wegen der Nährstoffe haben die Gefangenen Kartoffelschale bevorzugt. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, sagte Kleemann.

Als Dank hat Johanne Harms von den Kriegsgefangenen Fingerringe erhalten, die aus Patronenhülsen angefertigt wurden. Diese Ringe hat Johanne Harms bis heute aufbewahrt und brachte diese am Mittwoch mit zur Feier auf dem Russenfriedhof.

Bereits zum 25. Mal engagierte sich die Deutschlehrerin Elena Mitiusheva bei der Projektarbeit mit den Jugendlichen. Sie war bereits als Studentin in Ostfriesland. Inzwischen habe sie viele Freunde hier gefunden, sagt sie. Ihr gehe es darum, den jungen Leuten die Geschichte zu vermitteln und sie wolle etwas für die Völkerverständigung tun. Zudem könnten auch „einfache“ Menschen beweisen, dass man etwas für den Frieden tun könne. Elena Mitiusheva wurde während der Feier in Tannenhausen von Bezirksgeschäftsführerin Evelyn Kremer-Taudien mit einer Dankesurkunde, einem Buchpräsent und einer Packung Tee überrascht.

Die Jugendlichen berichteten aus ihrer Projektarbeit unter anderem über eine Zwangsarbeiterin aus der Ukraine, die in Deutschland Gewalt und Belästigungen ausgesetzt war. Weitere Teilnehmer erzählten die Geschichte von Ella Heckel, die im April 1945 auf dem Zentralfriedhof in Aurich bestattet wurde. Ein Grabstein erinnert an die Frau. Ella Heckel flüchtete von Polen in den Westen. Ihre Flucht endete in Aurich. Sie starb im Krankenhaus in Sandhorst. „Wir hoffen durch unsere Arbeit, dass sich so etwas nie wiederholen wird“, sagte Dariaa Pozhinskaia abschließend.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten vom Donnerstag, 3. August 2017, Seite 6


 

 



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