Sie sind hier:  Europahaus  > Aktuelles

06.03.2017 - 10:18 Uhr

Idee: Mit- und voneinander lernen

Organisationen aus Deutschland und den Niederlanden gründeten die „Kunst-Allianz“, ein Netzwerk zur Integration von Flüchtlingen

Vertreter von 18 Organisationen aus Deutschland und den Niederlanden trafen sich am Wochenende, um die „Kunst-Allianz“ zu gründen. Die Initiatoren des Projekts zur Integration von Flüchtlingen, auf deutscher Seite die Leiterin des Europahauses, Heike-Maria Pilk, und auf niederländischer, Jan-Willem van Kruyssen, präsentierten das Logo.Foto: Stapf

Aurich. Es soll der Anfang von etwas Großem sein, das Menschen in den Niederlanden und Deutschland über Jahre begleitet, sagt Heike-Maria Pilk, die Leiterin des Europahauses Aurich. Dort trafen sich am Wochenende Vertreter von 18 Organisationen aus beiden Ländern, um ein Netzwerk zu gründen: die Kunst-Allianz. Die Mitglieder tauschen Ideen aus, wie mithilfe von kulturellen und künstlerischen Projekten die Integration von Asylsuchenden in Deutschland und den Niederlanden erleichtert werden kann. Am Sonnabend stellten die Vertreter der Organisationen sowie die Initiatoren, Heike-Maria Pilk und Jan-Willem van Kruyssen, das Konzept vor. Van Kruyssen arbeitet als Organisator und Ratgeber für Kunstprojekte in Deutschland und den Niederlanden.

Die Teilnehmer sollen von den Erfahrungen, Erfolgen und Misserfolgen der anderen profitieren. Was bei dem einen gut funktioniert hat, können die anderen übernehmen. Der jeweilige Urheber des Projekts soll dessen Umsetzung in anderen Einrichtungen als Ratgeber begleiten. Van Kruyssen sagt: „Es gibt viele tolle Angebote für Flüchtlinge, aber die Organisationen arbeiten nicht zusammen.“ Gerade in den Niederlanden gäbe es kaum eine Vernetzung.

Auf die Frage, warum gerade Kunstprojekte eine gute Möglichkeit für das Kennenlernen von Einheimischen und Zugewanderten sind, antwortete Angelika Heinich, die zum Team des Europahauses gehört: „Kunst kommt aus dem Bauch heraus. Die Sprachbarriere fällt beim Singen, Tanzen, Malen und Schauspielern nicht so ins Gewicht.“

An der Landesbühne Niedersachsen Nord beispielsweise werden Flüchtlinge in die Theaterarbeit auf und hinter der Bühne eingebunden, erzählt Oberspielleiterin Eva Lange. Es werden Stücke mit dem Thema Flucht und Ankommen gespielt, wie „Die Schutzbefohlenen“ von Elfriede Jelinek. Arnold Helemantel von Tumba, einer Anti-Diskriminierungsstelle, bringt niederländische Schüler und junge Flüchtlinge in Vier-Augen-Gesprächen zusammen. Die Ergebnisse dieser ersten Annäherungen faszinieren ihn immer wieder: „Ein Mädchen schimpfte vor dem Projekt auf Asylsuchende. Dann unterhielt sie sich mit einem Jungen, der in die Niederlande geflohen war. Am selben Abend schickte sie ihm eine Freundschaftsanfrage auf Facebook“, berichtete er.

Vorbild für das Projekt ist der Film „The Island of all Together“. Die Filmemacher Philip Brink und Marieke van der Velden dokumentierten auf der griechischen Insel Lesbos die Gespräche von Urlaubern mit Flüchtlingen.

Die Idee zur KunstAllianz entstand im vergangen Jahr auf einer deutsch-niederländischen Tagung der Ostfriesischen Landschaft. Die Fördermittel wurden erst in der vergangenen Woche bewilligt. Das Geld stammt vom Zweckverband Ems-Dollart-Region. Zu den teilnehmenden Organisationen gehören unter anderem das Familienzentrum Aurich, die Kreisvolkshochschulen Aurich und Norden, die Johanniter Aurich, „Meracon“, eine gemeinnützige Gesellschaft für Soziale Arbeit und das niederländische Integrationsprojekt Haring und Hummus. Der nächste Workshop soll Anfang Mai stattfinden – dann im niederländischen Sneek.

Von Ann-Katrin Stapf

Ostfriesische Nachrichten vom Montag, 6. März 2017, Seite 6


 

 



IMPRESSUM© C-CONSULTING MEDIA GMBH