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02.09.2016 - 10:40 Uhr

Unzufrieden mit Flüchtlingspolitik

Internationale Jugendbegegnung im Europahaus Aurich geht zu Ende: Teilnehmer stellen Ergebnisse vor

Anton Karlsson (Schweden, von links), Jenna Hughson (Wales), Mirwais Quraishizazai (Afghanistan), Alexandru Cristea (Rumänien), Heike-Maria Pilk (Leiterin Europahaus), Rüna Rönkä (Finnland), Lukas Müller (Rhauderfehn) und Pirjo Niskanen (Studienleiterin) im Garten des Europahauses. Foto: Stapf

Aurich. Fünf Nationen, eine Meinung: In der europäischen Flüchtlingspolitik läuft einiges falsch. 46 Jugendliche aus Finnland, Schweden, Rumänien, Deutschland und Wales nehmen zurzeit an einer internationalen Jugendbegegnung im Auricher Europahaus teil. Sie sind zwischen 14 und 18 Jahren alt. Die Jugendlichen sind seit Freitag im Europahaus.

Die Veranstaltung trägt den Titel „Crossing borders - opening doors“ (Grenzen überwinden – Türen öffnen). Dahinter verbirgt sich eine Diskussion über die Flüchtlinge, die nach Europa gekommen sind. Im Vordergrund standen die Fragen, ob die Menschen in Europa überhaupt Flüchtlingen helfen sollen und wie das am besten funktionieren könnte. Die Ergebnisse haben die Jugendlichen zusammengefasst. Sie sind sich einig, dass Flüchtlinge nicht als Problem, sondern als hilfesuchende Menschen wahrgenommen werden sollten. Für sie ist es wichtig, auf die Menschen zuzugehen und sie freundlich zu behandeln. Sie sprachen sich für eine zügige Integration der Asylsuchenden aus.

Auch wurde klar, dass die Jugendlichen mit der Flüchtlingspolitik in Europa unzufrieden sind. Sie sei nicht transparent genug und Asylsuchende würden wie Objekte behandelt. Vor allem das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei kritisieren die Schüler. Eine Lösung der Flüchtlingskrise könne man auf diese Art nicht erkaufen, außerdem wisse man nicht, wofür das Geld verwendet wird. Außerdem seien viele Menschen in der EU intolerant und hätten Vorurteile gegenüber Asylbewerbern. Alexandru Cristea kommt aus Rumänien. Er sagt, bevor er an der Jugendbegegnung teilnahm, hätte er noch nie Kontakt zu Flüchtlingen gehabt. In Rumänien gäbe es keine, sie würden nicht im Land bleiben, seien nur auf der Durchreise dort. Im Europahaus lernte er Mirwais Quraishizazai kennen. Er ist einer von sechs Jugendlichen, die aus Afghanistan flohen und nun im Europahaus leben. Studienleiterin Pirjo Niskanen beschloss spontan, ihn mit einzubinden. „So können wir nicht nur über Flüchtlinge reden, sondern auch mit ihnen.“ Alexandru und Mirwais verstehen sich gut und sind Freunde geworden. „Sobald Mirwais einen Pass hat, würde ich mich freuen, wenn er mich mal besuchen kommt. Er ist jederzeit willkommen“, sagt Alexandru.

Um zu zeigen, wie in ihrem Land mit dem Thema Asylbewerber umgegangen wird, brachten die Jugendlichen Zeitungen aus der Heimat mit. Dabei fiel auf, dass sich die Medien in vielen Ländern zur Flüchtlingspolitik ausschweigen. Das kritisieren die Jugendlichen.

Neben der Flüchtlingspolitik unterhielten die Jugendlichen sich auch über den Brexit. Waliserin Jenna Hughson sagt: „Die meisten jungen Leute sind dagegen. Sie müssen schließlich später mit den Konsequenzen leben.“

Die Jugendbegegnung läuft insgesamt neun Tage. Im März fand bereits eine andere im Europahaus statt. Weil diese so gut ankam, setzte man eine weitere an, so die Studienleiterin.

Heute ab 15 Uhr zeigen die Jugendlichen in der Auricher Fußgängerzone vor dem Historischen Museum, was sie ausgearbeitet haben. Bei einem „Public Action Event“ stellen sie mit Musik, Kunst, Tanz, Performance und Mitmachaktion die Ergebnisse der Jugendbegegnung vor.

Von Ann-Kathrin Stapf in

Ostfriesische Nachrichten vom Freitag, 2. September 2016, Seite 7

 


 

 



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